Liebe Wurstfreunde, liebe Wurstfreundinnen,
keine Panik. Die Meldung, die EU wolle bei jedem Würstelstand ein Klo erzwingen, ist falsch. Am 17. September wurde von dieser E-Mail Adresse ein gefälschter „Times"-Artikel an alle österreichischen Tageszeitungen und Parteien ausgeschickt. Die erste Bilanz: reingefallen sind die Kronen Zeitung, das BZÖ, „Heute" und die Wiener Zeitung.
Das E-Mail (es befindet sich im Anhang) enthielt einen präparierten Link zu einem angeblichen Artikel in der „Times", indem von der Klo-Pflicht für Würstelstände berichtet wurde. Außerdem einen Link zum vorgeblichen Originaldokument auf der Seite der EU. Beide Texte haben wir selbst geschrieben. Durch Fehler auf den Seiten von „Times" und EU war es möglich diesen Anschein zu erwecken. Wir haben die Verantwortlichen der beiden Seiten bereits auf die Fehler, und wie sie beseitigt werden können, hingewiesen.
Wer und Warum?
„Wir", das sind tier- und kinderliebende, von der Teuerung betroffene Menschen. Und zornig. Zornig über die größte Zeitung des Landes, die eine menschenverachtende Blattlinie vertritt und es sich mit der Suche nach Sündenböcken besonders einfach macht. Mögen sie Marcus Omofuma oder Europäische Union heißen. Zornig auch über eine Politik, die sich den dafür Verantworlichen anbiedert.
Wir wollten mit unserer Aktion herausfinden wie manipulierbar die Medien und die politischen Parteien sind. Die gewählten Themen waren dabei kein Zufall: die EU ist schließlich der Prügelknabe Nummer Eins in diesem Land. Was würde erst passieren, wenn die „Bürokraten in Brüssel" gegen die Würstelstände zu Felde zögen?
Gratiszeitungen anfälliger
Die Boulevardmedien standen ganz oben auf unserer Wahrscheinlichkeitsliste, aber klarer Favorit war die Gratiszeitung „Heute".
Wir nehmen das Phänomen Gratiszeitung mit wachsender Sorge wahr. Wenn die Redaktion aus finanziellen Gründen auf das Minimum reduziert wird muss die Qualität darunter leiden. Unsere Aktion zeigt das sehr deutlich. Während die Wiener Zeitung und sogar die Kronen Zeitung immerhin zum Telefonhörer griffen um die Sache nachzuprüfen, war für die „Heute"-Redaktion unser E-Mail ausreichend.
You make it easy - Berichte in der Krone ...
Das es so leicht war hat uns selbst überrascht.
Soweit wir wissen schaffte es unsere Ente in die Wiener und die Steiermark Krone, in die Gratiszeitung „Heute" und in die Wiener Zeitung. Besonders gefreut hat uns der einseitige Artikel in der Steirerkrone unter der schönen Überschrift „Standler-Ärger über EU-'Häusl'". Die Wiener Ausgabe begnügte sich mit einer halben Seite, schoß dafür auf andere Art den Vogel ab. Denn das eine angerufene EU-Sprecherin die Pläne dementierte, hielt die Krone nicht von ihrem „gerechten" Zorn ab. „Denen in Brüssel ist nicht zu trauen" wird man sich gedacht haben.
... Heute und Wiener Zeitung
„Heute" hat die Telefonnummer der EU offensichtlich nicht gefunden. Ohne weitere Überprüfung wurde die Falschmeldung übernommen, Wiens BZÖ-Chef reichte um die Sache zu bestätigen.
Demgegenüber zeigte die Wiener Zeitung wies geht: EU-Kommission, Gesundheitsministerium und Wirtschaftskammer wurden abgeklappert. Die dementierten und so erging man sich in Spekulationen: „Da der Artikel in einer EU-skeptischen Zeitung erschienen sei (Anm.: reiner Zufall übrigens), entstehe der Eindruck, dass die Kommission einfach ohne Grund attackiert werde, hieß es. Andere (Anm.: Andi Unterberger?) munkeln, dass die launige Kolumne der britischen Journalistin nicht ganz so ernst gemeint sein könnte".
Und bei den Parteien?
Von den Parteien taten sich einmal mehr die Bienenzüchter hervor. Zitat aus „Heute": „Wiens BZÖ-Chef Michael Tscharnutter, dem erste Auszüge aus dem Konzept zugespielt wurden (Anm.: nämlich von uns!), ist erbost: 'Ein typisches Beispiel für die überbordende Bürokratie, das ist nicht das Europa der Bürger!'".
Entschuldigung
Die arme EU; so leicht kann man ihr also was anhängen. Und selbst wenn sie dementiert glaubt ihr die Krone nicht. Arm sind auch die Würstelstandbesitzer und-besitzerinnen, auf deren Kosten wir unsere Aktion durchgeführt haben. Das tut uns leid, wir bitten um Entschuldigung. Als kleine Wiedergutmachung versprechen wir, in Zukunft noch öfter bei ihnen einzukehren.
Quellen
Das gefälschte Original-Mail (ging an alle Tageszeitungen und Parteien)
Berichte und Reaktionen
Kronen Zeitung Steiermark, Ausgabe 20. September, Seite 20
Kronen Zeitung Wien, Ausgabe 20. September, Seite 19
Heute, Ausgabe 19. September, Seite 13
Wiener Zeitung, Ausgabe 19. September, Seite 14
Kontakt
Für weitere Informationen und Fragen stehen wir über die E-Mail Adresse elisabeth.hofmeyr@gmx.at zur Verfügung (eine „Elisabeth Hofmeyr" hat selbstverständlich nichts mit uns zu tun).